BIOSPHÄRE heisst Lebensraum.                               Biosphärenreservate sind Ausschnitte von Natur- und Kulturlandschaften aus unserem Lebensraum.

Das Biosphärenreservat Südost-Rügen liegt im Südosten der Ostseeinsel Rügen. Mit ihm wurde ein repräsentativer Landschaftsausschnitt des nordostdeutschen Tieflandes unter Schutz gestellt, der auf kleinstem Raum alle Landschafts- und Küstenformen des mecklenburg-vorpommerschen Küstenraumes widerspiegelt. Land und Meer sind eng ineinander verschlungen. Halbinseln und Küstenvorsprünge werden einerseits durch schmale Landstreifen miteinander verbunden, andererseits durch Bodden und Wieken voneinander getrennt. Feinsandige, breite Sandstrände wechseln mit schroffen Steilküsten, an deren Klifffüßen imposante Blockstrände entstanden sind. Boddenseitig sowie in den Seen werden die Ufer meistens von breiten Schilfgürteln gesäumt. Ausgedehnte Buchenwälder oder Magerrasen prägen Endmoränenstandorte, Wiesen und Weiden die nacheiszeitlich entstandenen Niederungen.

So weist Südost-Rügen eine außerordentliche Vielfalt an Natur und Landschaft auf, die 1990 zum Biosphärenreservat und 1993 zum Weltnaturerbe erklärt wurde.

Entstehung

Seine heutige Form erhielt die Landschaft Südost-Rügens erst als Folge des letzten Gletschervorstoßes der Wechselkaltzeit, vor rund 10.000 - 12.000 Jahren. Nach dem Abschmelzen der Gletscher und dem Einbruch von Meerwasser in das Ostseebecken wurden die eiszeitlichen Endmoränen zu einzelnen Inseln, die zunächst einen Archipel bildeten. Im Zuge von Küstenausgleichs-prozessen, verursacht durch Wind und Meeresströmung, lagerten sich im Windschatten der Inselkerne zunächst Sandhaken an, die im Laufe der Jahre zu Nehrungen wurden und die einzelnen Inselkerne miteinander verbanden. Die Höhenzüge der Endmoränen bestehen aus Verwitterungsschutten skandinavischer Gebirge. Diese sind v.a. sehr grob strukturiert und großporig, so dass sie ein sehr geringes Wasserbindever-mögen haben. Gleichzeitig sind sie sehr nährstoffarm. So verwundert es nicht, dass sich auf den Endmoränenstandorten nur ganz spezielle Lebensformen entwickeln konnten, die an solche "Extremstandorte" ideal angepasst sind.

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Bodenbildung

Im Territorium des Biosphärenreservates Südost-Rügens treten aufgrund der eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Enstehung rasch wechselnde Bodenarten auf. Die Ausgangsgesteine der Boden-bildung sind somit eiszeitliche Geschiebemergel und nacheiszeitliche Sande.                                                               Die eiszeitlichen Moränenkerne bestehen aus sandigen, z.T. auch lehmig sandigen Substraten unterschiedlicher Entstehung. Braunerden sind der verbreitetste Bodentyp. Am Rande der Kliffs entstanden durch Aufwehungen Kliffranddünen. Während der Ruhephasen, die mit Aufwehphasen wechseln, lassen sich zwischenzeitliche Sukzession und Bodenbildung sehr gut verfolgen. Die nacheiszeitlichen Niederungen bestehen aus Seesand und Resten aufgewehter Strandwälle, die den ehemaligen Küstenverlauf widerspiegeln. Die Strandwälle sind teilweise als Dünen überweht, wobei die Ausprägung der verschiedenen Dünenformationen an einzelnen Stellen unterschiedlich ist. Je nach Alter der einzelnen Dünenformationen ist die Bodenbildung verschieden weit vorangeschritten. Ältere Dünen tragen Sand-Podsole mit rostbraunen bis schwarzen Horizonten. Die jüngeren Bodenformationen sind schwächer bis nicht podsolisiert.

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Vegetation

Das Biosphärenreservat zeichnet sich durch eine vielfältig differenzierte Vegeatation aus. Die Granitz ist das größte zusammenhängende Waldgebiet des Biosphärenreservates. Bis in das frühe Mittelalter hinein dominierte hier noch ein Ulmen-Linden-Eichenmischwald. Dann gelangte die Buche zur Vorherrschaft. Die Steilhangbuchenwälder der Außenküste gehören zu den artenreichsten Waldgesellschaften des Norddeutschen Tieflandes. In den luftfeuchten Uferschluchten gedeihen Bergahorn und Wald-Schwingel. An den wenigen Stelle, wo steile Kliffs inaktiv sind, bilden Alpenjohannisbeere, Heckenkirsche, Hartriegel und Sal-Weide die Strauchschicht. In der Krautschicht wachsen Leberblümchen, Buschwindröschen, Schlüsselblume, Maiglöckchen, Frühlings-Platterbse und Waldmeister. Neben Wäldern prägen Weiderasen das Bild der Landschaft. Das Zickersche Höftland stellt die großartigste Hutelandschaft des gesamten Küstenraumes dar. Niederschlagsarmut, Nährstoffmangel und die Beweidung durch Schafe ließen Vegetationsformen von einzigartiger Vielfalt entstehen.

Die am Wasser liegenden Salzwiesen werden ca. 4 bis 5 mal pro Jahr überflutet, wenn Stürme vorübergehend starke Schwankungen des Ostseespiegels verursachen.

Die Salzwiesen sind Lebensraum für salztolerante Pflanzenarten, wie z.B. Strand-Grasnelke, Salzaster, Meerstrand-Dreizack und Queller. Daneben findet man Milchkraut- Strand-Wegerich und Meersenf. Leider haben sie infolge Eindeichung zum großen Teil ihren durch Überflutung mit Salzwasser entstandenen Charakter verloren. Landschaftsbestimmend ist die Strand- und Dünenvegetation, die fast nur noch hier ihre ursprüngliche Artenvielfalt aufweist. Moore sind auf Südost-Rügen weniger verbreitet. Zwischen den bewaldeten Hügeln der Granitz liegt die "Große Wiese". Sie ist ein Kesselmoor mit 9m mächtigen Torfablagerungen undtorfbildender Pflanzendecke. Torfmoose und schmalbllättriges Wollgras dominieren auf der Oberfläche. Daneben kommen Sonnentau, Moosbeere, scheidiges Wollgras und Sumpfporst vor. Die Landwirtschaftspolitik der DDR hatte zur Folge, dass viele wertvolle Biotope unwiederbringlich zerstört wurden. Feuchtwiesen wurden durch Melioration und Düngung in Intensivgrünland umgewandelt, Hecken, Feldgehöze und Sölle fielen der Flurbe-reinigung zum Opfer. Dennoch konnten sich auf Südost-Rügen eine Reihe bedrohter und im Bestand gefährdetet Arten erhalten, die anderswo in Deutschland bereits verschwunden sind, wie z.B. Hain-Wachtelweizen, geflecktes Ferkelkraut, Sumpf-Blutauge, Wiesen-Schlüsselblume, Körnchen-Steinbrach und andere.

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